Asozial in Azeroth – Kopiert von Blitzstrahlpulver

Dieser fantastische Text von Http://www.blitzstrahlpulver.de
muss einfach verewigt werden.

Asozial in Azeroth
Geschrieben von: Fermín in Alltägliches
Die Allianz, das sind die Guten. Die mit der Ehre und dem Glanz und dem Licht, die nur das Beste wollen und die Welt immer wieder vor dem ultimativen Bösen retten. Ritter und Elfen und Priester und so. Auf der anderen Seite gibt es dann die Horde – das sind die Bösen. Hexen, Orcs und Barbaren. Wilde, ungewaschene Rüpel, die sich gegenseitig mit Fäkalien beschmieren, Ziegenblut trinken und Tokio Hotel hören.
Soviel zur Theorie …
Als ich damals den Beitrag von aSak bezüglich der Allianz aus Sicht eines Hordlers gelesen haben, war das wie ein Stoß mit dem Federkiel in’s linke Auge. Auf dem rechten Auge habe ich immer noch ein Veilchen von dem kraftvollen Schwung des Vorschlaghammers der Erkenntnis, die mir dieser Beitrag eröffnete. Lange musste ich überlegen, ob ich darauf etwas antworten sollte und wenn, was genau könnte ich dem entgegensetzen? Nun ist einige Zeit seit aSak’s Beitrag vergangen und ich konnte genug Eindrücke sammeln um etwas antworten zu können – allerdings geht das jetzt nicht in die Richtung, die wohl die meisten erwarten würden. Ein Wort vorweg an alle Allianzler, die leicht in ihrem Stolz gekränkt sind: bitte schließt Euren Browser jetzt und vergesst die URL dieses Blogs ganz schnell wieder. Alle anderen möchte ich jetzt auf eine kleine Reise einladen …

Es begab sich vor ca. 10 Monaten, dass meine Freundin und ich unsere Accounts bei Final Fantasy XI kündigten (eine Entscheidung, die ich seither immer und immer wieder bereut habe) und uns dafür World of Warcraft nach Ablauf der Testphase kauften (diese Entscheidung hingegen bereue ich gar nicht). Man muss dazu sagen, dass sich meine Freundin, bevor sie mich traf, gar nicht für Computerspiele begeistern konnte und ich habe sie dann mit FFXI gleich mal in eines der schwersten Onlinespiele überhaupt geschleppt. Entsprechend kritisch stand sie anfänglich World of Warcraft gegenüber, konnte sich dann aber doch dazu durchringen – aber nur, wenn sie eine Nachtelfin sein durfte. Als liebender, fürsorglicher und verständnisvoller Freund, der ich nun mal bin, gestand ich ihr dies ein und erstellte meinen Nachtelf Schurken – Fermín war geboren. Der Charakter an sich war schon toll, aber leider gehörte er einfach zur falschen Fraktion (hier kommen wir wieder an den Punkt wo ich div. Entscheidungen bereue, noch heute) – ich wollte eigentlich und unbedingt zur Horde. “Aber schließlich ist es im Endeffekt ja nur eine Frage des Aussehens”, sagte ich mir selbst. “Ob jetzt blaue Haut und lange Ohren oder grüne Haut und lange Zähne, Schurken sind Schurken, egal unter welchem Banner sie in den Krieg ziehen.” Also versuchte ich das Beste aus der Situation zu machen und wollte einfach nur das gemeinsame Spiel mit meiner geliebten Druidin genießen.
Heute, 70 Level nach diesem magischen Moment der ersten angenommenen Quest, hat sich nicht viel verändert. Ich bin immer noch in Begleitung meiner sexy Druidendame, dank meines erbärmlichen PVP-Skills bin ich den Hordlern nach wie vor ein Freilos für Ehrenpunkte und auch mein hochgeschätzer Kollege ist weiterhin mit seinem Paladin oder Priester (je nach Situation) gemeinsam mit uns auf Tournee. Aber nicht alles ist beim Alten geblieben: ich trage Dolche statt Schwertern (Meucheln sei Dank!), meine Freundin macht lieber die Eule als das Raubkätzchen und meine einst ach so hohe Meinung über Onlinespieler existiert nur noch in meiner Erinnerung.
Kurz zur Erklärung: Als ich mit WoW anfing, war ich definitiv kein Neuling auf dem Gebiet der Onlinespiele. Neben der Führung eines sehr erfolgreichen TacOps-Clans habe ich auch Karrieren in RagnarokOnline, ROSE, PristonTale und (wie bereits erwähnt) Final Fantasy XI hinter mich gebracht (es gab zwar noch viele andere Onlinespiele, die ich kurz angespielt habe, diese sind jedoch wegen der kurzen Zeit die ich dort verbracht habe einer Nennung nicht würdig). Da in jedem Onlinespiel die Kommunikation mit anderen Spielern eine wesentliche Essenz bedeutet, stand es für mich immer und zu jeder Zeit ausser Frage die Etikette zu wahren. Da ich jetzt davon ausgehe, dass viele Allianzler diesen Beitrag lesen: Etikette bedeutet sowas wie Anstand, nett und höflich zueinander sein. Ich weiß, ist Euch fremd. Sowas lernt man in den Ghettos von Sturmwind nicht. Und auch sonst scheint Ihr nicht von wirklich viel Dingen Ahnung zu haben.
Harte Worte, aber ein kleiner Selbstversuch scheint mir das Recht dazu zu geben. Ich habe in den letzten paar Tagen immer wieder mal einen Hordler erstellt und diesen durch das Startgebiet bis zu dessen Hauptstadt gespielt. Die Unterschiede, die mir zwischen den Fraktionen begegneten, waren gravierend, fast fühlte es sich auf der Seite der Horde an wie ein anderes Spiel. Lasst mich kurz von meinen Erfahrungen berichten:
Egal ob als Mensch, Nachtelf, Draenei, Zwerg oder Gnom – bei jedem Vertreter der Allianz scheint die Leertaste zu hängen. Natürlich ist es ein nettes Feature, dass man hüpfen kann. Auch ich hüpfe dann und wann mal ganz gerne über Stock und Stein, dies scheint aber jedoch bei der Allianz ein Volkssport zu sein. 90% der Allianzstreitkräfte scheinen den Krieg gegen die brennende Legion alleine durch Hüpfen gewonnen zu haben und feieren dies im Alltag durch exzessives Ausleben der Kampfstrategie. Wie gesagt, es ist ein nettes Feature. Wer sich aber gar nicht mehr ohne Bunnyhopping bewegen kann soll bitte zurück zur Counter-Strike 1.5 Beta. Während bei der Allianz mehr als jeder Zweite einen Pogostick als Mount bevorzugt, habe ich in den ganzen 20 Leveln (alle Level aller Charaktere zusammengezählt) meiner Hordenkarriere nur zweimal jemanden hüpfen sehen. Putzen Hordler Ihre Tastatur öfter, sind sie altmodisch oder konzentrieren sie sich lieber auf die wichtigeren Dinge im Spiel als die Gesamtanzahl aller getätigten Sprünge?
Der Allianzler sucht Streit. Warum sonst ist das allererste was ich nach dem Erstellen eines neuen Charakters sehe, eine Duellflagge? Ja richtig, noch bevor ich überhaupt die allererste Quest angenommen habe werde ich zu einem Duell herausgefordert. Wirke ich so unglaublich bedrohlich, oder warum meint dieser Level 7 Zwerg Jäger meiner Level 1 Gnom Hexerin unbedingt ein paar Prügel verpassen zu müssen? “Gut, lass ihm seinen Spaߔ, denk ich mir und lehne das Angebot ab. Aber er bleibt hartnäckig. Ich versuche mich an meiner ersten Quest – Duellflagge. Ich rede mit einem NPC – Duellflagge. Ich komme vom Klo zurück – Duellflagge. So zieht sich das wie ein roter Faden durch alle Startgebiete der Allianz. Man muss förmlich einen weiten Bogen um andere Spieler machen oder schnell den “Verstohlenheits” Hotkey ALT+F4 drücken. Schon mal versucht als “neuer” Mensch von Nordhain bis nach Goldhain zu kommen, bzw. in Goldhain von einer Straßenseite zur Nächsten (von der Taverne zum Schmied)? Falls nein, versucht es erst gar nicht. Und lässt man sich dann doch mal auf ein Duell mit solch einem Herausforderer ein und besiegt diesen, dann werden die Geschlagenen auch noch ausfallend. Zitat eines Paladins: “Fick Dich!”, nachdem der kleinere Magier ihn fertig gemacht hat, den er wiederum zuvor herausforderte. Weder als Blutelf, noch als Orc, Taure oder modriger Zombie wurde ich jemals zum Duell gefordert. Und die sehen nun wirklich bedrohlich aus – sogar mit Level 1!
Apropos Goldhain: das Mekka des Unbeliebten. Wer auf Stufe 70 keinen Erfolg hat oder anderweitig aus der Scherbenwelt ausgeschlossen wurde, stellt sich einfach ein paar Stunden nach Goldhain um blaues oder lilanes Equipment zur Schau zu stellen. So bilden die Leute, die mindestens 65 Level kleiner sind einen Kreis um den besagten Spieler (im Hintergrund fordern wieder zahllose Spieler andere zum Duell) und preisen ihn zum neuen Heiland – hat ja immerhin so schöne leuchtende Rüstung. Seltsam, bei der Horde hatte es zu keinem Zeitpunkt jemand nötig mit seinem epischen Mount und diversen T-Setteilen in die Startgebiete einzufallen und auf sich selbst zu zeigen. Dort sind sich die 70er einer Sache anscheinend bewusst: entweder, dass Level 2 Mobs keine Erfahrung mehr geben oder, dass sie etwas erreicht haben. Jedenfalls brauchen sie für keines von Beidem eine Bestätigung.
In der Allianz gilt der Grundsatz: “Bist Du unter meinem Level, bist unter meiner Würde! Ich duelliere mich sogar extra mit dir um dir zu zeigen wie schlecht du bist!” Als Orc und Taure ist es mir passiert (Vorsicht! Folgendes mag bei der Allianz auf Unverständnis stoßen!), dass mir Hilfe angeboten wurde. Unfassbar für den Allianzler, ein absoluter Pluspunkt für die Horde. Ich rief nicht nach Hilfe oder Ähnlichem, ich ging meinen Quests im Tal der Prüfungen und in dem Camp der Tauren nach. Ich wurde von anderen Spieler gefragt, ob ich Hilfe bräuchte. Habe Buffs, Essen und Trinken bekommen, ohne explizit danach zu fragen. Sowas ist mir bei der Allianz noch nicht passiert. Eher sieht es dort so aus (vor ein paar Minuten tatsächlich in Westfall passiert!): Ein augenscheinlich neuer Spieler fragt ganz neutral im allgemeinen Channel, wo er Edwin van Cleef finden könne. Zugegeben, es ist für einen Erstlingscharakter nicht einfach, erst einmal herauszufinden, dass sich dieser in den Todesminen aufhält – mal ganz davon abgesehen, dass man nicht weiß was die Todesminen sind und nach erfolgreichem googeln erstmal noch die Wikipedia nach dem Wort Instanz durchforsten muss. Aber, wenn ein Spieler schon öffentlich nach einer simplen Information fragt, diesen auch noch auszulachen, bloßzustellen, ja gar zu beleidigen, dann ist das das größte Armutszeugnis, dass sich ein Zusammenschluss von Spielern selbst ausstellen kann. Wäre es ein einzelner Spieler gewesen, der eine unverschämte Antwort gab, man hätte drüber wegsehen können – aber wenn geschlossen alle Anwesenden in Westfall den allgemeinen Channel fluten um den fragenden Spieler fertig zu machen … muss ich mehr sagen? Du bist ein absoluter Neuling und brauchst Hilfe? Horde hui, Alli pfui!
“Gimmie Gimmie Gimmie” – zu deutsch “Gib mir Gib mir Gib mir” – ist ein richtig guter Song von A Perfect Circle (zwar nur ein Cover, aber sei’s drum). Dieser Song scheint die Nationalhymne aller Allianzspieler zu sein. Und dies behaupte ich nicht wegen meines Selbstversuches, nein, dies ist eine Tatsache, die mir schon seit 70 Leveln immer und immer wieder vor Augen geführt wird. Wir WoW’ler kennen das Problem: wir brauchen etwas und davon meist sehr viel. Sei es Stoff, Leder, Kräuter oder Erz, egal – stundenlanges und monotones Farmen steht auf dem Programm. Da man nie davon ausgehen kann, dass es sonst niemanden gibt der genau das Gleiche farmt wie man selbst, steht man in einem ewigen Konkurrenzkampf. “Bin ich der Einzige dort? Bin ich der Erste dort?” sind Fragen die mich auf jedem Farmausflug begleitet haben. Aber, hey – es ist ein Onlinespiel mit mehr als 9 Mio. Nutzern, ich kann nicht erwarten, dass alle verschwinden, nur weil ich auftauche und meine etwas farmen zu müssen. Es bleibt natürlich der ständige Kampf mit den Mitbewerbern, wer ist zuerst am Objekt der Begierde? Ich für meinen Teil gestehe es den Anderen ein, wenn ich sehe, dass sie sicherlich vor mir am nächsten Wildtier sind. Ich lasse dann ab und gebe es dem anderen Spieler – ob Horde oder Allianz spielt für mich keine Rolle. Grund ist der, dass ich genau weiß wie zeitaufwändig und nervenaufreibend das sein kann, daher komme ich auf andere Spieler zu um einen Konsens zu schaffen. Natürlich möchte ich selbst gerne so schnell wie möglich mit meiner Sammelorgie fertig werden, aber der Gedanke, jemand anderem das Leder zu klauen ist mir noch nie gekommen, da ich meine Mitspieler allein für meinen Vorteil nicht deprimieren möchte. Überraschung: es ist mir noch kein Hordler begegnet, der anders gehandelt hätte. Auch mir wurden von der Horde die Wildtiere immer zugestanden, bei denen ich nun mal schneller war. Ganz im Gegensatz zur Allianz. Wildtiere wegen des Leders? Elementare wegen den Partikeln? Mobs wegen Questitems? Bevor ich es schaffe meinen Dolch in das jeweilige Objekt der Begierde zu bohren würden meine Mitallianzler lieber sterben – im wahrsten Sinne des Wortes! Der Alli hat schon drei Mobs an der Backe, nippelt fast ab, sieht dass ich auf den vierten zurenne und denkt sich “Fick Dich!” (warum kommt mir das jetzt bekannt vor?) und lockt den vierten Mob auch noch. Warum? Was hätte diesem bemitleidenswerten Beispiel einer ungeliebten Kindheit daran geschadet mir auch einen Mob zu lassen? Während all meiner 70 Level ist mir das mit den Hordlern zwar hier und da auch passiert (nicht alle sind Heilige), aber defintiv nicht so oft wie mit den Allies. Ich stütze diese Aussage jetzt zu 90% auf die Erfahrungen in Nagrand (Grollhufe und Elementarplateau).
Bevor ich jetzt zum abschließenden Fazit komme möchte ich sagen: natürlich kann man das nicht pauschalisieren. Auf beiden Seiten gibt es schwarze Schafe. Ich behaupte auch nicht, dass alle Allianzler schlecht sind. Aber ich behaupte, dass die Allianz ihren schlechten Ruf vollkommen zu Recht hat! Das Geschriebene bezieht sich auf meine Erfahrungen mit beiden Fraktionen, andere Leute haben sehr wahrscheinlich andere Erfahrungen gesammelt.
Fazit: Die Allianz verliert ständig auf den Schlachtfeldern? Wundert mich ehrlich gesagt nicht. Das Hauptproblem dieser Fraktion ist nicht, dass es Ihnen an Talent mangelt, im Gegenteil. Ich kenne genug Allianzler, die wissen wie sie ihre Klasse spielen müssen. Das grundlegende Problem des Ottonormalallianzlers ist das, dass er/sie ein absoluter Egomane ist. Ja, wirklich. Der Allianzler denkt in erster Linie nur an sich und betrachtet meiner Einschätzung nach seine Mitspieler als Mittel zum Zweck, sieht in ihnen nichts anderes als NPCs mit intelligenter Sprachausgabe. Dem Standard-Allianzler scheint es schwer zu fallen, andere Spieler neben sich zu akzeptieren, geschweige denn in einer angemessenen Art und Weise mit diesen zu interagieren. Man muss den Hordespielern soviel eingestehen: über diese Stufe der Entwicklung sind sie schon lange hinaus. Das ist auch der Grund, warum der Horde nachgesagt wird, dass sie einfach den größeren Spielspaß bietet – und warum sie der Allianz auf dem Schlachtfeld auch immer wieder den Arsch aufreisst. Teamplay, Baby, Teamplay.
Nachtrag: Der Fairness halber möchte ich kurz meine Freundin nicht unerwähnt lassen. Die beteuert nämlich, dass Ihr grundsätzlich nur die Hordler die Kräuter unterm Rock wegpflücken und auch wurde sie eben mit Ihrer frisch erstellen Blutelfin nicht nur zum Duell gefordert, sondern auch verhöhnt. Aber wie ich schon sagte … jeder macht andere Erfahrungen und pauschalisieren kann man nichts.

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